Togo ist in 5
Regionen eingeteilt. Von Lomé sind wir zu dritt langsam bis in die 4. hoch
gereist vorbei an kleinen Städten, Elefanten und Wasserfälle. Im Norden
angekommen haben wir ein Unesco Weltkulturerbe besichtigt: das Tamberma-Dorf.
Es ist bekannt für die spezielle Bauweise – sie sehen aus wie große Sandburgen.
Das war schon interessant das mal zu sehen, aber im Nachhinein haben wir es
bereut dort hinzugehen, weil es sehr touristisch war und die Leute gefühlt nur
nett zu uns waren, wenn wir Ihnen Geld gegeben haben. Wir hatten uns aber schon
vorher entschieden dort zu übernachten und das ließ sich nicht mehr rückgängig
machen. Wir hatten ein eigenes Haus für uns, wo wir – ganz typisch – auf dem
Dach geschlafen haben. Leider kam in der Nacht ein Unwetter auf – so richtiges
Weltuntergangswetter, deswegen mussten wir in einen winzig kleinen Raum
ausweichen, in dem man noch nicht mal
richtigseine Beine ausstrecken konnte und in den es rein geregnet hat. Unser
Plan war es nachts von dem Dorf aus nach Benin zu fahren, um um 6 Uhr morgens
beim Safaripark zu sein. Unsere Gastgeber haben angeboten uns mit dem moto
hinzufahren (für vieeel Geld natürlich) und uns zu dann auch rechtzeitig zu
wecken. Eigentlich hatten wir schon moto-Fahrer engagiert, aber deren Begründung
war, dass sie ja schon direkt da sind und deswegen viel zuverlässiger sind.
Pustekuchen! Geplant war es um 3 aufzustehen, aber weil wir unseren Wecker
leider nicht gehört haben und unsere Fahrer entschieden haben, doch nicht so
zuverlässig zu sein, sind wir erst irgendwann um kurz vor 4 aufgewacht.
Innerhalb von 5 Minuten haben wir uns fertig
gemacht und unsere Sachen gepackt. Als wir dann das Haus verlassen haben
gefühlt alle Hunde im Dorf angefangen zu bellen und ein paar sind auf uns
zugelaufen. Die Atmosphäre war echt gruselig und wir wussten auch nicht, ob die
Hunde angekettet waren und ob sie nur bellen oder auch beißen würden. Wir haben
bestimmt eine halbe Stunde damit verbracht, zu entscheiden, was wir machen und
uns auf den Weg zu unserem Gastgeber zu machen, um dann wieder umzukehren.
Irgendwann haben wir uns dann eng umschlungen aneinander geklammert zu ihm
getraut – dabei sind unsere Herzen allerdings ein paar Mal stehen geblieben. Es
ist aber nichts passiert. Mit 2-stündiger haben wir uns dann auf den Weg nach
Benin gemacht. Obwohl wir zu spät waren, haben wir noch einen Guide gefunden,
der uns durch den Park führt und der Park hat echt alles Schlechte wettgemacht.
Wir konnten oben auf dem Dach sitzen und sind durch eine traumhafte Landschaft
an ganz vielen verschiedenen Tieren vorbeigefahren. Mein Highlight waren die
Nilpferde, Pumba-Schweine und Löwen!
Leider hat das
Tamberma-Disaster noch weitere Folgen mit sich gezogen. Ich meinte nämlich zu
den moto-Fahrern, dass es ganz wichtig ist, dass wir an der Grenze anhalten, um
einen Stempel bekommen. Pascale und ich hatten nämlich nur so ein „Spezial-Visum“
in Form eines Briefes von meiner beninesischen Tante, für das wir schon 50 Euro
bezahlt haben (eigentlich kostet ein Visum 15 Euro) und mit dem wir ihrer
Aussage nach, ganz sicher nach Benin reinkommen. Leider haben unsere
moto-Fahrer es nicht für so wichtig gehalten, an der Grenze anzuhalten und ich
hab sie verpasst. Als wir dann aber den Benin verlassen mussten, wurden Pascale
und ich an der Grenze festgehalten. Der „Grenzen-Chef“ hat gesagt, dass mein
Onkel an die Grenze kommen muss, um die Angelegenheit zu regeln, sonst würde er
uns zurück nach Cotonou schicken und dort mussten wir für jeden Tag, den wir
illegal im Land waren 40 Euro bezahlen, was mehr als 60 Tage waren… Also
mussten wir an der Grenze warten und warten und warten und mein Onkel ist nicht
aufgetaucht… Zwischendurch gab es noch ein bisschen Aufregung, weil unser Taxi
mit unserem Gepäck schon über die Grenze war und wir kurz Angst hatten, dass
wir es nicht wiederbekommen, aber zum Glück ist es nochmal umgedreht und hat
uns alles gebracht. Und dann mussten wir weiter warten. Irgendwann hat uns der
„Grenzen-Chef“ dann eine Deadline von 30 Minuten gegeben und von 5 Minuten vor
Ablauf ist mein Onkel dann Gott sei Dank angekommen. Mit ein bisschen gutem
Zureden und allem Geld, das wir noch hatten – durften wir dann ein Transitvisa
kaufen und die Grenze überqueren. Vollkommen pleite und ziemlich erleichtert
sind wir dann Zuhause angekommen.
Dienstag, 18. Oktober 2016
Freitag, 3. Juni 2016
Die Mehrzahl von Heimat
Ich sitze gerade auf meiner Dachterrasse und lasse meinen
Blick über Lomé gleiten. Es ist verrückt, wie ich mich hier zuerst so fremd und
jetzt so zu Hause gefühlt habe. Wenn ich jetzt Heimweh hätte, könnte man dieses
Heim – nicht an einem Ort festmachen. Wieso gibt’s dafür eigentlich kein
eigenes Wort? Diese Kombination aus Heim- und Fernweh: Feimweh, die Sehnsucht nach der Heimat, die in der Ferne liegt. Und
was genau ist Heimat eigentlich? Ist es ein Ort oder Moment oder nur ein
Gefühl? Für mich ist Heimat untrennbar mit Geborgenheit verbunden. In meinen
ersten Tagen hier habe ich mich nur in meinem Bett in der schützenden Höhle
meines Mückennetzes geborgen gefühlt. Doch so langsam hat sich mein
Geborgenheitsradius ausgeweitet – und auf einmal hat mir moto fahren Spaß
gemacht und ich hab mich im taxi partagé wohl gefühlt und die Enge dort war
nicht mehr bedrohlich sondern angenehm und vertraut. Langsam ist die Fremde zur
Heimat geworden. Wächst also mit dem
Geborgenheitsradius auch der Heimatsradius? Ist das dann alles eine
Heimat oder hab ich einfach zwei? Warum benutzen wir Heimat eigentlich immer in
der Einzahl? Ist es nicht gerade der Reiz vom Reisen ins Fremde einzutauchen
und aus Gewohntem aufzutauchen? Sich neue Heimaten zu schaffen? Je mehr man sieht,
je mehr Geborgenheit und somit Heimat man sich schafft, desto kleiner wird die
Angst vor der Ungewissheit des Unbekannten. Und desto größer werden der Mut und
die Lust, sich neuem Fremden zu stellen, es zu erobern und ihm die Fremde zu
nehmen. Also ist Heimat einfach Ort, der im Laufe eines Lebens wächst? Oder
vielleicht doch nur ein Konstrukt, an dem wir uns festhalten können? Und spielt
das eigentlich eine Rolle? Heimat und Geborgenheit das sind am Ende doch
eigentlich nur Erinnerungen, denn ohne die Erinnerungen, die Erlebnisse , die
wir mit einem Ort verbinden, wäre ein Ort doch nur kahle Häuser, leere Straßen
und eine zufällige Anordnung von Geschäften und Bäumen. Es ist erst das Wissen
darum, dass an dieser Ecke die nette Obstfrau ihren Stand hat oder darum, dass
das die Bar ist, in der man den lustigen Spielabend hatte, die den Orten ein
Gesicht geben, ihnen das Gefühl von Zuhause anhaften lassen.
Mittwoch, 18. Mai 2016
Tschüß Kaplimé, hallo Lomé!
Der Abschied aus Kpalimé
war gar nicht schön wie ich anfangs dachte, dass er werden wird. Meine Kinder
in der Schule sind mir schon ziemlich ans Herz gewachsen, vor allem mein
Herzenskind Joel! Und auch mein Leben dort, nicht mehr mit Sky und Antoine in
der Boutique-Karten spielen, nicht mehr leckere Mangos von der Mangofrau
kaufen, die keine Yowo-Preise macht, überall zu Fuß hingehen können,
Abkühlungen am Fluss, in 3 Minuten bei Linn sein,….
Aber wie schon der kleine
Tag wusste: Abschied heißt was neues kommt! Und in Lomé ist es zwar eine
komplett andere Welt, aber auch schön! Ich bin wieder bei Kailend, diesmal mach
ich aber Büroarbeit (Spender und Freiwillige suchen), das ist zwar nicht so
mein Ding, aber da ich fast sowas in die Richtung studieren wollte, bin ich
froh, dass ich das jetzt schon gemerkt hab. Und die Straßenkinder seh ich trotzdem
ab und zu. Leider sind es nur noch 6, weil sie Schwierigkeiten haben an die
Struktur und Routine der Schule zu gewöhnen und sich langweilen und deswegen
zurück auf die Straße gehen.
Das
Haus, in dem ich wohne, ist der totale Gegensatz zu Kpalimé! Es hat 3
Stockwerke, eine riesige Dachterrasse, einen richtigen Herd mit Ofen und einen
Kühlschrank. Ich hab sogar mein eigenes Bad, da läuft das Wasser zwar nur ab
und zu, aber das finde ich ganz beruhigend, sonst wäre das nämlich nicht mehr
Togo.
Montag, 16. Mai 2016
Montag, 9. Mai 2016
Vive, vive le Togo! Vive le 27 avril!
Der 27. April ist der
Unabhängigkeitstag von Togo. Um diesen zu feiern gibt es eine große Parade für
die wichtigsten Leute aus der Region. Ich fand’s ein bisschen befremdlich, aber
um die Unabhängigkeit zu feiern wurde marschiert. Anscheinend gilt das als
Ausdruck der Freude. Alle Schulen in Kpalimé sind mitmarschiert und weil unsere
Schulgebäude nun auf dem Gelände einer öffentlichen Schule steht, durften wir
als einzige Gehörlosenschule in Togo auch marschieren. Dafür wurde sich schon
lange vorher vorbereitet, morgens haben wir ewig unsere Kreise auf dem Schulhof
gedreht und einmal gab es eine Generalprobe in der Stadt. Ich fand’s ein
bisschen gruselig zu sehen, wie die kleinen Schüler schön im Gleichschritt
marschieren. Weil unsere Schüler die Musik ja nicht hören können, mussten wir
mitmarschieren, damit sie sich an uns orientieren können. Das war echt
unangenehm, und wir Freiwilligen fanden es auch unangebracht, weil das der Tag
von Togo ist und wir da ja nicht richtig dazugehören. Die Reaktionen waren auch
gemischt. Einige fanden es gut, andere haben gerufen: „Was machen denn die
Yowos da?“ Traurigerweise wurde auch auf unsere Kinder so reagiert und sich
über sie lustig gemacht.
Es war
überwältigend was für eine Masse an Schüler dort war – hunderte! Das war schon
irgendwie beeindruckend zu sehen. Außer den Schulen, gab es noch Cheerleader,
die Tanzgruppen aus Kpalime, die verschiedenen Sportvereine und, und, und. Deren
Marsch war auch ein bisschen lockerer und das war wirklich lustig anzusehen.
Nach dem Ende der Parade war allerdings auch das Fest zu Ende und man hat
überhaupt nicht mehr gemerkt, dass Feiertag ist – alles ging normal weiter.
Dafür wurde der 1.Mai aber ordentlich gefeiert. Komische Prioritätensetzung.
Montag, 18. April 2016
Kailend
Als ich noch in
Lomé gewohnt habe, habe ich nachmittags manchmal gemeinnützige Organisationen
besucht. Eine davon war Globalbility, eine Studentenorganisation, die die
verschiedenen Sprachen in Togo anderen Studenten vermitteln möchte. Dort habe
ich Christian kennengelernt, der gefühlt noch bei hundert anderen Projekten
mitarbeitet und der mich auch mit zu Kailend genommen hat.
Kailend ist eine
Organisation, die sich mit Frauenförderung und die Förderung benachteiligter
Jugendliche beschäftigt. Mir hat’s sofort super dort gefallen, weswegen ich
beschlossen habe in den Ferien zurück zu kommen und eine Woche da
reinzuschnuppern. Es war total interessant! Ich habe alle deren Projekte
besucht, im Waisenhaus mit den Kindern Ostereier gemalt, eine Recycling-NGO
besichtigt, ein bisschen Büroarbeit gemacht und mich hauptsächlich um 10
Straßenjungs gekümmert. Die Jungs wurden gerade in einer Schule untergebracht,
wo sie auch unterrichtet werden, und müssen jetzt beschäftigt werden, weil sie
sonst zurück auf die Straße gehen. Wir haben Spiele gespielt, getanzt und ihr
Wohnzimmer gestrichen.
Freitag, 25. März 2016
Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein...
...und dann nichts wie auf an Atlantik! Wie schon erwähnt, war ich vor kurzem im Urlaub. Nach dem
Stress der Prüfungen wollten eine andere Freiwillige, mit der ich zusammen
arbeite, und ich uns mal was können. Am letzten Schultag haben wir uns also auf
den Weg nach Lomé gemacht. In der ersten Nacht haben wir einen Zwischenstopp
bei meinem Onkel eingelegt, weil wir noch zum Friseur wollten. Und das dauert
hier – bei uns einen Abend und einen ganzen Vormittag! Unsere Friseurinnen
waren aber wirklich lieb und wenn man Begleitung hat, geht die Zeit auch
ziemlich schnell rum. Direkt danach haben wir uns dann auf dem Weg zum Strand
gemacht. Dort haben wir nämlich ein Bungalow gemietet. Als wir ankamen, wurden
wir erstmal mit der Aussage begrüßt: „Hallo, es gibt ein Problem – kein großes
Problem, aber ein Problem!“ Ich hab unseren schönen Strandurlaub schon davon
fliegen sehen. Es stellte sich dann aber daraus, dass das Problem war, dass
alle Bungalows ausgebucht waren und weil ich aber den Freund von dem Besitzer
kenne, er uns einfach ein teureres Zimmer zum günstigsten Preis gibt. Ich liebe
es, wie hier alles über Kontakte funktioniert! Und unser Zimmer war ein Traum:
ein eigenes Band mit fließendem Wasser und sogar einer Spülung! Und wenn man
die Tür aufgemacht hat, hat man das Meer gesehen! Und das alles für nur
umgerechnet 4,15 pro Person für eine Nacht.
Wir
haben uns also ein paar gemütliche Tage am Strand gemacht. Fürs Frühstück haben
wir uns oft an der Straße Früchte oder Avocados gekauft und dann am Strand
gepicknickt. Die Früchte hier sind soo gut. So viel süßer und irgendwie
frischer als in Deutschland. Ich konnte mich wirklich nur von Früchten
ernähren: Ananas, Mango, Papaya, Avocado, Bananen,… Obwohl nicht ganz, abends
haben wir uns nämlich immer Essen an der Straße geholt. Eigentlich soll man das
ja nicht, aber es ist so lecker, da kann ich einfach nicht wiederstehen und bis
jetzt hatte ich bis auf einmal auch immer Glück. Für umgerechnet 30 Cent haben
wir eine Riesenportion Reis mit weißten Bohnen und Tomatensauce bekommen. Das hat
so gut geschmeckt. Ich freu mich schon, wenn ich das nächste Mal am Strand bin
und wieder da essen kann! Es macht total Spaß die Straße lang zu schlendern und
sich anzugucken, was für Essen so angeboten wird und sich dann hier und da was
auszusuchen und zum Nachtisch dann vielleicht noch eine Erdnuss-Piment-Stange
oder eine süße Erdnuss-Stange oder Kokoskekse oder, oder, oder zu kaufen!
Zum
Wochenende kamen dann auch noch ein paar andere Freiwillige und wir haben
Spiele gespielt, waren schwimmen, haben am Strand getanzt und gesungen, haben uns
Henna-Tattoos gemalt und sind jeden Abend mit dem Meeresrauschen im Ohr
eingeschlafen. Eine Nacht haben wir sogar draußen geschlafen. Es war ein
wirklich schönes entspanntes Wochenende! Ich wollte gar nicht mehr weg!
Mittwoch, 23. März 2016
Ein bisschen Alltag
Ich habe gerade Ferien und mach Urlaub, bin also so weit vom
Alltag entfernt, dass ich mal Lust habe darüber zu schreiben. Außerdem wurde
ich gefragt, ob ich noch ein bisschen genau erklären kann, was ich genau in der
Schule mache.
Also das Wichtigste zuerst: die Prüfungen sind vorbei. Und 5
von 8 Kindern aus unsere Klasse haben bestanden. (Und das ist im Vergleich zu
den anderen Klassen eine gute Quote.) Da bin ich schon ein bisschen stolz auf
uns, denn die Kinder auf die Prüfungen vorzubereiten, war gar nicht so einfach.
Da die Kinder noch so klein sind und so eine geringe Aufmerksamkeitsspanne
haben und auch so schnell abgelenkt sind, kann man eigentlich nur
Einzelunterricht machen. Meistens machen wir es also so, dass der Rest der
Klasse einen Satz abschreiben muss und wir üben dann immer mit jeweils einem
Schüler, das Alphabet, Rechnen oder Zählen. Einen festen Stundenplan gab es zur
Prüfungszeit nicht wirklich. Ich weiß noch nicht wie es dann nach den Ferien
aussieht. Am Anfang hatte ich echt noch wenig Geduld, weil ich nicht verstehen
konnte, dass es so schwer sein kann zu verstehen, dass 1 nach 2 kommt.
Mittlerweile versteh ich die Welt der Gehörlosen schon besser und sehe auch,
dass es für unsere Kinder teilweise viel schwieriger ist als für hörende, weil
sie mit ihrer Entwicklung halt ein bisschen zurück liegen. Nach der Schule geh
ich oft noch über den Markt spazieren, es gibt immer etwas, was man sich kaufen
kann! Früchte, unbekanntes Essen, Saft, Zeug für die Schule,
Secondhand-Klamotten oder meine größte Sucht: Panie. Das sind die afrikanischen
Stoffe, aus denen man sich dann Kleider schneidern lassen kann. Und die sind
einfach sooo schön! Oder ich geh schnell nach Hause, weil ich Wäsche waschen
muss und das dauert mit dem Wasserschöpfen und per Hand waschen echt ewig. (Es
ist auch nicht mehr meine Lieblingsbeschäftigung, aber es hat was Meditatives.)
3 Mal die Woche habe ich Ewe-Unterricht. Mein neuer Ewe-Lehrer ist echt super!
Und so langsam hab ich das Gefühl auch kleine Fortschritte zu machen. Am Anfang
war ich noch in einer Tanzgruppe hier, aber irgendwie waren mir die
Anforderungen da ein bisschen zu hoch und es war mir auch ein bisschen zu
streng. Jetzt habe ich aber den Tanzlehrer aus Lomé zufällig in Kpalimé
getroffen (der, der meinte, es sähe aus als würde ich mich mit meiner Lanze
erstechen), weil er eigentlich dort wohnt und auch eine Tanzgruppe hat und er
möchte unbedingt, dass ich bei ihm mittanze. Ich hab schon einmal zugeguckt, aber
ganz entschieden bin ich noch nicht.
Ab und zu
geh ich noch mit anderen Freiwilligen essen, wenn ich europäisches Essen zu
sehr vermisse, oder wir gehen frischgepresste Säfte trinken. Super lecker! Es
lässt sich hier schon gut aushalten!
Montag, 21. März 2016
Coller la Petite
Um der Kleinstadt-Tristesse zu entkommen, habe ich die
meisten bisherigen Wochenenden nicht in Kpalimé sondern in Lomé verbracht. Als
meine belgische Freundin noch da war, hab ich immer eine Nacht bei meinem Onkel
und eine bei ihr verbracht. Seitdem sie mich verlassen hat, bin ich immer das
ganze Wochenende bei meinem Onkel.
Schon die Fahrt nach Lomé ist immer ein Abenteuer, sei es,
dass der Taxifahrer auf halbem Weg umkehrt, weil sein Freund doch noch einen
Mitfahrer gefunden hat oder dass wir eine viertel Stunde am Straßenrand stehen
bleiben, um den Hühnerpreis zu verhandeln (an der Diskussion beteiligen sich
immer ALLE Leute im Taxi, auch wenn sie eigentlich nichts damit zu tun haben)
oder dass wir anhalten, damit sich der Taxifahrer ein totes Nagetier (es sieht
ein bisschen bieber-ähnlich aus) kaufen kann oder, oder, oder… Man hat auf
jeden Fall immer was zu erzählen, wenn man ankommt. Obwohl ich offiziell nicht
mehr bei der Organisation in Lomé bin, kann ich immer noch zu den Treffen
gehen, also bin ich freitagabends dann immer mit den anderen Freiwilligen was
trinken.
Zweimal war ich am Samstag auf einem riesigen
Secondhand-Kleidermarkt. Die Masse an Klamotten dort erschlägt einen! Die
Kleiderberge sind teilweise einen halben Meter hoch. Die ganzen Klamotten
kommen aus Europa. Es ist echt schrecklich, wenn man sieht, wie viel wir
einfach wegschmeißen – meistens nur weil es einem nicht mehr gefällt. Aber
immerhin findet es hier dann noch Verwendung. Allgemein merke ich hier in Togo
oft, wie verwöhnt wir in der westlichen Welt eigentlich sind.
Sonst ist
Samstag Strandtag – das Meer nimmt immer mehr vom Land ein und hat deswegen
schon zwei Hauptstraßen überschwemmt. Das ist zwar besorgniserregend, aber auch
ziemlich praktisch, weil die eine Straße so ein bisschen als Mauer agiert und
die Wellen abhält, so dass man an ruhigen Tagen richtig schwimmen kann.
Ein paar Mal war ich am Samstagabend auch schon mit ein paar
Freiwilligen und Togolesen feiern. Das ist wirklich sehr anders als in
Deutschland. Die Clubs sind mit so vielen Ventilatoren ausgestattet, dass man
teilweise sogar friert, und überall hängen Spiegel. Es sieht echt merkwürdig
aus, wenn man reinkommt und sieht wie alle „mit sich selbst“ tanzen. Das soll
aber dazu da sein, um sich zu verbessern. Allgemein wird irgendwie mehr getanzt
als in Deutschland, und dass ziemlich auf körperlich. Es gibt hier so ein Lied,
das heißt „Coller la petite“ – das heißt ungefähr so viel wie „Kleb an der
Kleinen“. Die Beschreibung passt ganz gut. Nachdem man sich dran gewöhnt hat,
macht es aber echt Spaß und es ist super Oberschenkeltraining!
Sonntags entspann ich dann entweder wieder am Strand oder beim
gemütlichen Frühstück mit Freundinnen. Und dann geht’s wieder nach Hause!
Aber auch in Kpalimé hab ich immerhin schon 2 Wochenenden
verbracht. Ich war auf dem Markt, hab gekocht (einmal afrikanisch, einmal
französisch), hab einen Berg bestiegen und war bei einem Mini-Privatkonzert.
Also ganz langweilig ist es hier doch nicht…
Donnerstag, 3. März 2016
Vivenda - Arbeit in der Gehörlosenschule
Hier in Kpalimé arbeite ich in einer
Gehörlosenschule. An der Schule sind ungefähr 30 Kinder, aufgeteilt in 3
beziehungsweise 6 Klassen (eigentlich sind es 6 Klassen, aber weil es nur 3
Lehrer gibt, wurden jeweils 2 zusammengelegt). Ich teile mir mit einer anderen
Freiwilligen die kleinste Klasse. Und das ist wirklich anstrengend! Das Problem
ist, dass die Kinder ja erst in der Schule anfangen „sprechen“ zu lernen.
Zusätzlich müssen die dann gleich aber noch schreiben und rechnen lernen. Es
ist wie als würde man bei uns im Kindergarten schon anfangen zu unterrichten. Leider
gibt es in Togo keine an die Behinderung angepassten Lernanforderungen, das
heißt unsere Schüler müssen zur gleichen Zeit die gleichen Prüfungen schreiben
wie alle anderen auch. Total bescheuert! Nächste Woche sind Prüfungen, mal
gucken wie das klappt. Bis jetzt schaffen es die
wenigsten Aufgaben zu lösen ohne dass einer von uns daneben sitzt… Das
Schulsystem ist auch nicht das Beste. Es wird immer nur reproduziert, der
Lehrer schreibt was an die Tafel, die Schüler schreiben ab. Selbstständig
denken wird ja eh überbewertet. Das führt aber leider dazu, dass die Kinder in
meiner Klasse das Denken ganz eingestellt haben und nur nach machen. Sogar im Kunstunterricht malt die Lehrerin den Gegensand vor und wenn die Kinder was anders malen, ist es falsch. Die Arbeit
ist trotz all der Schwierigkeiten aber sehr interessant und macht Spaß. Ich hab
auch schon ein bisschen amerikanische Gebärdensprache gelernt!
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