Montag, 21. März 2016

Coller la Petite

Um der Kleinstadt-Tristesse zu entkommen, habe ich die meisten bisherigen Wochenenden nicht in Kpalimé sondern in Lomé verbracht. Als meine belgische Freundin noch da war, hab ich immer eine Nacht bei meinem Onkel und eine bei ihr verbracht. Seitdem sie mich verlassen hat, bin ich immer das ganze Wochenende bei meinem Onkel.
Schon die Fahrt nach Lomé ist immer ein Abenteuer, sei es, dass der Taxifahrer auf halbem Weg umkehrt, weil sein Freund doch noch einen Mitfahrer gefunden hat oder dass wir eine viertel Stunde am Straßenrand stehen bleiben, um den Hühnerpreis zu verhandeln (an der Diskussion beteiligen sich immer ALLE Leute im Taxi, auch wenn sie eigentlich nichts damit zu tun haben) oder dass wir anhalten, damit sich der Taxifahrer ein totes Nagetier (es sieht ein bisschen bieber-ähnlich aus) kaufen kann oder, oder, oder… Man hat auf jeden Fall immer was zu erzählen, wenn man ankommt. Obwohl ich offiziell nicht mehr bei der Organisation in Lomé bin, kann ich immer noch zu den Treffen gehen, also bin ich freitagabends dann immer mit den anderen Freiwilligen was trinken.
Zweimal war ich am Samstag auf einem riesigen Secondhand-Kleidermarkt. Die Masse an Klamotten dort erschlägt einen! Die Kleiderberge sind teilweise einen halben Meter hoch. Die ganzen Klamotten kommen aus Europa. Es ist echt schrecklich, wenn man sieht, wie viel wir einfach wegschmeißen – meistens nur weil es einem nicht mehr gefällt. Aber immerhin findet es hier dann noch Verwendung. Allgemein merke ich hier in Togo oft, wie verwöhnt wir in der westlichen Welt eigentlich sind.                               
Sonst ist Samstag Strandtag – das Meer nimmt immer mehr vom Land ein und hat deswegen schon zwei Hauptstraßen überschwemmt. Das ist zwar besorgniserregend, aber auch ziemlich praktisch, weil die eine Straße so ein bisschen als Mauer agiert und die Wellen abhält, so dass man an ruhigen Tagen richtig schwimmen kann.
Ein paar Mal war ich am Samstagabend auch schon mit ein paar Freiwilligen und Togolesen feiern. Das ist wirklich sehr anders als in Deutschland. Die Clubs sind mit so vielen Ventilatoren ausgestattet, dass man teilweise sogar friert, und überall hängen Spiegel. Es sieht echt merkwürdig aus, wenn man reinkommt und sieht wie alle „mit sich selbst“ tanzen. Das soll aber dazu da sein, um sich zu verbessern. Allgemein wird irgendwie mehr getanzt als in Deutschland, und dass ziemlich auf körperlich. Es gibt hier so ein Lied, das heißt „Coller la petite“ – das heißt ungefähr so viel wie „Kleb an der Kleinen“. Die Beschreibung passt ganz gut. Nachdem man sich dran gewöhnt hat, macht es aber echt Spaß und es ist super Oberschenkeltraining!                                                                                                       
Sonntags entspann ich dann entweder wieder am Strand oder beim gemütlichen Frühstück mit Freundinnen. Und dann geht’s wieder nach Hause!

Aber auch in Kpalimé hab ich immerhin schon 2 Wochenenden verbracht. Ich war auf dem Markt, hab gekocht (einmal afrikanisch, einmal französisch), hab einen Berg bestiegen und war bei einem Mini-Privatkonzert. Also ganz langweilig ist es hier doch nicht…


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