Um der Kleinstadt-Tristesse zu entkommen, habe ich die
meisten bisherigen Wochenenden nicht in Kpalimé sondern in Lomé verbracht. Als
meine belgische Freundin noch da war, hab ich immer eine Nacht bei meinem Onkel
und eine bei ihr verbracht. Seitdem sie mich verlassen hat, bin ich immer das
ganze Wochenende bei meinem Onkel.
Schon die Fahrt nach Lomé ist immer ein Abenteuer, sei es,
dass der Taxifahrer auf halbem Weg umkehrt, weil sein Freund doch noch einen
Mitfahrer gefunden hat oder dass wir eine viertel Stunde am Straßenrand stehen
bleiben, um den Hühnerpreis zu verhandeln (an der Diskussion beteiligen sich
immer ALLE Leute im Taxi, auch wenn sie eigentlich nichts damit zu tun haben)
oder dass wir anhalten, damit sich der Taxifahrer ein totes Nagetier (es sieht
ein bisschen bieber-ähnlich aus) kaufen kann oder, oder, oder… Man hat auf
jeden Fall immer was zu erzählen, wenn man ankommt. Obwohl ich offiziell nicht
mehr bei der Organisation in Lomé bin, kann ich immer noch zu den Treffen
gehen, also bin ich freitagabends dann immer mit den anderen Freiwilligen was
trinken.
Zweimal war ich am Samstag auf einem riesigen
Secondhand-Kleidermarkt. Die Masse an Klamotten dort erschlägt einen! Die
Kleiderberge sind teilweise einen halben Meter hoch. Die ganzen Klamotten
kommen aus Europa. Es ist echt schrecklich, wenn man sieht, wie viel wir
einfach wegschmeißen – meistens nur weil es einem nicht mehr gefällt. Aber
immerhin findet es hier dann noch Verwendung. Allgemein merke ich hier in Togo
oft, wie verwöhnt wir in der westlichen Welt eigentlich sind.
Sonst ist
Samstag Strandtag – das Meer nimmt immer mehr vom Land ein und hat deswegen
schon zwei Hauptstraßen überschwemmt. Das ist zwar besorgniserregend, aber auch
ziemlich praktisch, weil die eine Straße so ein bisschen als Mauer agiert und
die Wellen abhält, so dass man an ruhigen Tagen richtig schwimmen kann.
Ein paar Mal war ich am Samstagabend auch schon mit ein paar
Freiwilligen und Togolesen feiern. Das ist wirklich sehr anders als in
Deutschland. Die Clubs sind mit so vielen Ventilatoren ausgestattet, dass man
teilweise sogar friert, und überall hängen Spiegel. Es sieht echt merkwürdig
aus, wenn man reinkommt und sieht wie alle „mit sich selbst“ tanzen. Das soll
aber dazu da sein, um sich zu verbessern. Allgemein wird irgendwie mehr getanzt
als in Deutschland, und dass ziemlich auf körperlich. Es gibt hier so ein Lied,
das heißt „Coller la petite“ – das heißt ungefähr so viel wie „Kleb an der
Kleinen“. Die Beschreibung passt ganz gut. Nachdem man sich dran gewöhnt hat,
macht es aber echt Spaß und es ist super Oberschenkeltraining!
Sonntags entspann ich dann entweder wieder am Strand oder beim
gemütlichen Frühstück mit Freundinnen. Und dann geht’s wieder nach Hause!
Aber auch in Kpalimé hab ich immerhin schon 2 Wochenenden
verbracht. Ich war auf dem Markt, hab gekocht (einmal afrikanisch, einmal
französisch), hab einen Berg bestiegen und war bei einem Mini-Privatkonzert.
Also ganz langweilig ist es hier doch nicht…

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