Ich sitze gerade auf meiner Dachterrasse und lasse meinen
Blick über Lomé gleiten. Es ist verrückt, wie ich mich hier zuerst so fremd und
jetzt so zu Hause gefühlt habe. Wenn ich jetzt Heimweh hätte, könnte man dieses
Heim – nicht an einem Ort festmachen. Wieso gibt’s dafür eigentlich kein
eigenes Wort? Diese Kombination aus Heim- und Fernweh: Feimweh, die Sehnsucht nach der Heimat, die in der Ferne liegt. Und
was genau ist Heimat eigentlich? Ist es ein Ort oder Moment oder nur ein
Gefühl? Für mich ist Heimat untrennbar mit Geborgenheit verbunden. In meinen
ersten Tagen hier habe ich mich nur in meinem Bett in der schützenden Höhle
meines Mückennetzes geborgen gefühlt. Doch so langsam hat sich mein
Geborgenheitsradius ausgeweitet – und auf einmal hat mir moto fahren Spaß
gemacht und ich hab mich im taxi partagé wohl gefühlt und die Enge dort war
nicht mehr bedrohlich sondern angenehm und vertraut. Langsam ist die Fremde zur
Heimat geworden. Wächst also mit dem
Geborgenheitsradius auch der Heimatsradius? Ist das dann alles eine
Heimat oder hab ich einfach zwei? Warum benutzen wir Heimat eigentlich immer in
der Einzahl? Ist es nicht gerade der Reiz vom Reisen ins Fremde einzutauchen
und aus Gewohntem aufzutauchen? Sich neue Heimaten zu schaffen? Je mehr man sieht,
je mehr Geborgenheit und somit Heimat man sich schafft, desto kleiner wird die
Angst vor der Ungewissheit des Unbekannten. Und desto größer werden der Mut und
die Lust, sich neuem Fremden zu stellen, es zu erobern und ihm die Fremde zu
nehmen. Also ist Heimat einfach Ort, der im Laufe eines Lebens wächst? Oder
vielleicht doch nur ein Konstrukt, an dem wir uns festhalten können? Und spielt
das eigentlich eine Rolle? Heimat und Geborgenheit das sind am Ende doch
eigentlich nur Erinnerungen, denn ohne die Erinnerungen, die Erlebnisse , die
wir mit einem Ort verbinden, wäre ein Ort doch nur kahle Häuser, leere Straßen
und eine zufällige Anordnung von Geschäften und Bäumen. Es ist erst das Wissen
darum, dass an dieser Ecke die nette Obstfrau ihren Stand hat oder darum, dass
das die Bar ist, in der man den lustigen Spielabend hatte, die den Orten ein
Gesicht geben, ihnen das Gefühl von Zuhause anhaften lassen.