Sonntag, 28. Februar 2016

Reise in die Vergangenheit



So, es ist jetzt schon 3 Wochen her, dass ich umgezogen bin – nach Kpalimé. Eine Stadt etwas nördlicher, in der Region Plateaux, in den Bergen, 2 Stunden von Lomé entfernt. Ich wurde von meiner Organisation aus Lomé abgeholt und habe mich schon auf eine schön gemütliche und klimatisierte Autofahrt eingestellt… ABER wir haben ein taxipartagé genommen - das heißt geteiltes Taxi, also 7 bis 8 Leute in einem Auto plus Gepäck - ich hatte das „Glück“ vorne in der Mitte, also auf der Gangschaltung sitzen zu dürfen. Das war leider nicht so gemütlich wie erwartet, aber immerhin war die Straße viel besser als die in den Norden und es gab fast keine Schlaglöcher.
Meine Gastfamilie, Mutter, Vater, Tochter, hier ist super lieb und zu meiner großen Freude kann die Gastmamaviiiieeel besser kochen (und vor allem kocht sie auch nicht so riesige Portionen). Allerdings wohnen die hier sehr viel einfacher. Es gibt oft Stromausfälle und auch kein fließend Wasser, ich muss also immer Wasser vom Brunnen holen. Am Anfang hab ich wie in die Vergangenheit zurück versetzt gefühlt, aber man gewöhnt sich an alles. Und es gut für meine Armmuskeln! Allerdings lässt der Regen dieses Jahr lange auf sich warten und unser Brunnen wird immer tiefer, ich hab ein bisschen Sorge, dass es irgendwann kein Wasser mehr gibt. Obwohl das auch nicht der Weltuntergang wäre, dann müssten wir halt zu einer der öffentlichen Wasserleitungen. (Kleines Update: Es hat endlich geregnet! Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind an Weihnachten!) Dadurch dass man sich das Wasser „selbst erarbeiten“ muss, merkt man erstmal wie viel Wasser wir eigentlich verbrauchen. Allein schon für die Klospülung! Das ist echt unglaublich!                                                                    
In meiner Gastfamilie wohnt auch noch eine andere Freiwillige, Paula, die schon 6 Monate hier ist und auch noch 6 Monate bleibt. Es ist ganz schön noch jemanden hier zu haben. Allgemein gibt es hier in Kpalimé aber ein bisschen zu viel Deutsche und ein bisschen zu wenig andere Nationalitäten, das ist leider nicht so förderlich für mein Französisch.
Kpalimé ist eher ein Dorf als eine Stadt. Der Trubel aus Lomé fehlt mir, aber das Ruhigere hier hat auch seine Vorteile. Man kann zum Beispiel einfach so an der Straße lang laufen ohne ständig angesprochen zu werden, oder in aller Ruhe auf dem Markt einkaufen(auch wenn man hier auch sehr stark handeln muss, um dem üblichen Preis nahe zu kommen) und man muss nicht 5 Minuten warten, um die Straße zu überqueren.


Mittwoch, 17. Februar 2016

Ausflugszeit



Jeden Dienstag gibt es eine Aktivität mit den anderen Freiwilligen. Einmal waren wir zum Beispiel auf dem Marchée des Fetiches  -  dem Fetischmarkt. Das war wirklich interessant! Obwohl mir bei dem Anblick der ganzen Tierköpfe, dem Geruch und der Hitze dazu auch ein bisschen schlecht geworden ist. Der Markt wirkte ziemlich ausgestorben, aber laut unserem Führer, kommen noch viele Menschen dahin, um sich beraten zu lassen. Und es sollen ja auch über 50% der Bevölkerung Naturreligion anhängen. Uns wurde erklärt, dass man einen zerkleinerten Affenkopf benutzen kann, um intelligenter zu werden, wie man jemanden dazu bringt sich unsterblich in einen zu verlieben (unser Führer hat das selbst mehrere Male ausprobiert und es hat natürlich immer super geklappt) und wie natürliches Viagra benutzt wird. Ich war froh mir das mal angeschaut zu haben, allerdings finde ich den Gedanken daran, dass manche Menschen sich lieber so behandeln lassen als mit richtiger Medizin ziemlich gruselig.

Den Dienstag darauf hatten wir Trommel- und afrikanischer Tanzunterricht. Das war seeeehr lustig – vor allem weil wir so unfähig waren. Dank des einfachen Rhythmus habe ich das Trommeln noch ganz gut hinbekommen. Das mit dem Tanzen gestaltete sich ein wenig schwieriger. Es ging aber zum Glück allen so. Es gab einige zerquetschte Füße und man hatte immer mal wieder einen Ellenbogen im Gesicht. Unser Lehrer eine Mischung aus genial und verrückt, und er war sehr anspruchsvoll und hat erst Ruhe gegeben, als wir es alle geschafft haben von vorne bis hinten durch zu tanzen. Es ist ein Wunder, dass das geklappt hat (obwohl es, wie er meinte, bei mir so aussah als würde ich mich mit meiner Lanze selber töten wollte)!

Als naechstes waren wir dann am Strand was trinken und abends noch in einem für westliche Touristen ausgerichtetes Restaurant, das jeden Dienstag einen Film zeigt. (In Togo gibt es nämlich keine Kinos). Es war super schön! Open Air Kino und leckeres Essen – perfekt! Wir hatten sogar doppeltes Glück! Meine Bestellung wurde irgendwie nicht richtig weitergeleitet, weswegen für uns kein Tisch reserviert war. Am Anfang sah es so aus, als wäre kein Platz mehr, weswegen uns ein Getränk als Entschuldigung ausgegeben wurde (wir waren zu neunt!). Am Ende gab es doch noch zwei Tische für uns und wir konnten bleiben UND alle weiteren Getränke gingen auch noch aufs Haus. Nur der Film ließ ein bisschen zu wünschen übrig. Es war der neueste James Bond. Mein erster. Und ich war maßlos enttäuscht! Bei all dem Theater, das immer um die James Bond Filme gemacht wird, habe wirklich was Größeres erwartet. Es gibt keine Tiefe, keine spannende Handlung und selbst die Kampf-/Actionszenen waren nicht spektakulär. Aber es war so ein schöner Abend, da kann man auch mit so einem schlechten Film leben ;)

Mittwoch, 3. Februar 2016

Afrikanisierung und der Kampf gegen die Pfunde

Soo, ich melde mich mal wieder. Es gibt ein kleines Update! Nachdem mein Bauchumfang schon angefangen hat, sich afrikanischen Verhältnissen anzupassen (obwohl den Pfunden ja jetzt der Kampf angesagt ist), haben es auch meine Haare. Letzten Mittwoch hatte ich nichts zu tun und bin deswegen spontan zum Friseur gegangen  2 ½ Stunden, 2 Packungen Haare und 4 Frauen hat es gebraucht, um mich herzurichten. Ich hatte eine rieeesssiiiiigge Angst vor den Schmerzen. In Deutschland war das schon so schlimm, wie soll das dann bitte erst hier sein? Aber überraschenderweise tat es viel weniger weh als in Deutschland. Die erste Nacht war unbequem und manchmal bin ich noch überrascht, wenn ich in den Spiegel schaue oder meinen Kopf berühre, aber im Grunde genommen hab ich mich schon dran gewöhnt.
Neben meinen Haaren, könnte sich übrigens auch gerne mal das Essen ändern.  Letztens habe ich den großen Fehler gemacht und meiner Gastmutter gesagt, dass ich Reis lieber esse als Couscous, darauf folgten 4 Tage Reis nonstop – bis ich das richtig gestellt habe. Jetzt gibt’s immerhin Reis und Couscous abwechselnd. Trotzdem hängen mir Reis beziehungsweise Couscous mit dünnflüssiger Tomatensauce, Möhren und Kohl zum Hals raus! All meine Hoffnung liegt auf dem Gastfamilienwechsel! 3 Monate halt ich das nicht noch aus. An Masse mangelt‘s allerdings nicht. Meine Gastfamilie könnte auch zum Mastbetrieb umfunktioniert werden, so viel wie die versuchen in mich rein zu stopfen. Deswegen gehe ich seit 2 Wochen – man höre und staune – ins Fitnessstudio. Also so ein richtiges mit Geräten(wenn auch aus einer anderen Zeit) und so. Dass es mal so weit kommt, hätte ich auch nicht gedacht. Da ich eine äußerst motivierte Trainingspartnerin habe, bin ich 2 – 3 die Woche dort. Unser Coach ist ein Muskelprotz letztens habe ich ihm auf einem Plakat gesehen. Er hat anscheinend letztes Jahr bei der internationalen Meisterschaft der „athletischen Kraft“ mitgemacht. Das sieht man ihm auch an! Dass die Typen im Fitnessstudio so auf ihre Muskeln fixiert sind, ist perfekt für uns, weil sie uns so in Ruhe lassen und höchstens mal Tipps geben, wie wir eine Übung effektiver ausführen können. Ich hätte das ja nie gedacht, aber es macht mir sogar ein bisschen Spaß dahin zu gehen, was allerdings wahrscheinlich daran liegt, dass man sich hier sonst überhaupt nicht bewegt. Die meiste Zeit sitzt man irgendwo rum und für die kleinsten Strecken wird ein Taxi moto genommen. Generell sind die Leute hier viel zu Hause und unternehmen wenig, dementsprechend gibt es auch wenige Unternehmungen, die man machen kann. Das ist eine der Sachen, die ich am meisten vermisse!