Ich wohne bei einer 60ig-jährigen Frau und ihrer Nichte,
deren Cousine samt kleiner Tochter bis aufs Schlafen auch die ganze Zeit im
Haus verbringt. Meine Gastmutter wurde mir nie richtig vorgestellt, ich glaube
sie heißt Semenou, alle nennen sie nur Mama. Ihr Nachname ist Rose, den finde
ich schön, so nenne ich sie insgeheim. Der Spitzname der Cousine ist Blabla.
Ich bin gut in der Familie angekommen, ich habe mein eigenes
Zimmer und Bad, es ist alles sehr einfach, aber immerhin habe ich eine richtige
Toilette und eine Dusche, aus der manchmal sogar warmes Wasser kommt. Leider
gleicht mein Zimmer einer Saune, weswegen ich ausschließlich zum Schlafen darin
bin, den Rest der Zeit verbringe ich im Wohnzimmer, wo meistens Radio und Fernsehen
gleichzeitig laufen oder auf dem riesigen Balkon.
Obwohl Rose laut meiner Organisation vegetarisch und vegan
kocht, war sie eher überrumpelt von der Neuigkeit, dass ich auch keinen Fisch
esse. Es folgten die obligatorischen Fragen: Isst du denn Champignons? Und
Eier? Und Käse? Und Marmelade? Ich konnte sie mittlerweile überzeugen, dass ich
wirklich alles esse außer Fleisch und Fisch. Nur bei den Champignons ist sie
sich noch nicht so sicher, da frag sie immer noch nach. Das Gute daran ist,
dass Vegetarismus jetzt zu unserem Top-1-Gesprächsthema geworden ist und wir so
eigentlich immer was zu reden haben. Aber das ist verständlich, die Leute
kennen das hier einfach nicht so und finden es meistens sehr amüsant. Heute hat
mir jemand erzählt, nachdem ich gesagt habe, dass ich Vegetarierin bin, dass er
alles ist – alles außer nichts und mir dann vorgeworfen, dass ich Kekse esse,
die eine Tierform haben. Rose nennt Fleisch nur noch den „ Feind von
Jasmin“. Und ist fest davon überzeugt,
dass ich am Ende meines Aufenthaltes Fleisch und Fisch essen werde, ich wette
dagegen…
P.S. Eigentlich hatte ich auch Fotos, aber die hochzuladen kriegt das Internet leider nicht hin ...vielleicht beim nächsten Mal
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