Freitag, 3. Juni 2016

Die Mehrzahl von Heimat


Ich sitze gerade auf meiner Dachterrasse und lasse meinen Blick über Lomé gleiten. Es ist verrückt, wie ich mich hier zuerst so fremd und jetzt so zu Hause gefühlt habe. Wenn ich jetzt Heimweh hätte, könnte man dieses Heim – nicht an einem Ort festmachen. Wieso gibt’s dafür eigentlich kein eigenes Wort? Diese Kombination aus Heim- und Fernweh: Feimweh, die Sehnsucht nach der Heimat, die in der Ferne liegt. Und was genau ist Heimat eigentlich? Ist es ein Ort oder Moment oder nur ein Gefühl? Für mich ist Heimat untrennbar mit Geborgenheit verbunden. In meinen ersten Tagen hier habe ich mich nur in meinem Bett in der schützenden Höhle meines Mückennetzes geborgen gefühlt. Doch so langsam hat sich mein Geborgenheitsradius ausgeweitet – und auf einmal hat mir moto fahren Spaß gemacht und ich hab mich im taxi partagé wohl gefühlt und die Enge dort war nicht mehr bedrohlich sondern angenehm und vertraut. Langsam ist die Fremde zur Heimat geworden. Wächst also mit dem  Geborgenheitsradius auch der Heimatsradius? Ist das dann alles eine Heimat oder hab ich einfach zwei? Warum benutzen wir Heimat eigentlich immer in der Einzahl? Ist es nicht gerade der Reiz vom Reisen ins Fremde einzutauchen und aus Gewohntem aufzutauchen? Sich neue Heimaten zu schaffen? Je mehr man sieht, je mehr Geborgenheit und somit Heimat man sich schafft, desto kleiner wird die Angst vor der Ungewissheit des Unbekannten. Und desto größer werden der Mut und die Lust, sich neuem Fremden zu stellen, es zu erobern und ihm die Fremde zu nehmen. Also ist Heimat einfach Ort, der im Laufe eines Lebens wächst? Oder vielleicht doch nur ein Konstrukt, an dem wir uns festhalten können? Und spielt das eigentlich eine Rolle? Heimat und Geborgenheit das sind am Ende doch eigentlich nur Erinnerungen, denn ohne die Erinnerungen, die Erlebnisse , die wir mit einem Ort verbinden, wäre ein Ort doch nur kahle Häuser, leere Straßen und eine zufällige Anordnung von Geschäften und Bäumen. Es ist erst das Wissen darum, dass an dieser Ecke die nette Obstfrau ihren Stand hat oder darum, dass das die Bar ist, in der man den lustigen Spielabend hatte, die den Orten ein Gesicht geben, ihnen das Gefühl von Zuhause anhaften lassen.


Ich war auf in der letzten Woche auf Reise: 7 Tage Abenteuer. Hier schon mal die Bilder aus Togo:
Die Bilder aus Benin und ein Bericht folgen.








2 Kommentare:

  1. Home is where the heart is (Liedzeile)
    Jassi mach weiter so. Du hast dich unglaublich entwickelt seid dem du in Togo bist. Und was du da über die Heimat rausbekommen hast ist auch interessant. Oder wem ist schon mal aufgefallen das es das Wort Heimat nicht in der Mehrzahl gibt. Lass dich von deinen verschiedenen Heimaten nicht zerreißen. Meine Heimat ist ganz eindeutig Hamburg und hier werde ich immer ein zuHause für dich parat halten. Ich liebe dich und ich binn stolz auf dich. deine Mama

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  2. Jassi morgen ist ein Afrikafestival in der Sternchance. Es wir organisiert von dem Verein "Wurzeln in 2 Welten". Ich finde das passt zu deinen Heimatgedanken

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